Chef-Schreiberling des “FALTER Stmk”, Thomas Wolkinger, verfasst ein Stadtportrait und jede Menge eingesessene Liezener und Liezenerinnen kommen grantig angestürmt!
…Ein Aufeinanderkrachen der beiden Fronten durfte man vor ein paar Stunden im Festivalzentrum der Regionale10 in Liezen bestaunen…
Das gigantische Kulturfestival Regionale10 (vom 2. Juni-14. August 2010) ist in der zweiten Woche in vollem Gang und sorgt für viel Aufsehen im Bezirk Liezen. Soviel geballte Kunst und Kultur hat es hier vermutlich schon lange nicht mehr gegeben.
Ein absoluter Höhepunkt hat vor wenigen Stunden im Festivalzentrum Hotel Karow in Liezen stattgefunden – und ich spreche nicht einmal von einer Kunstausstellung, einer Theaterpremiere oder einer Wandertour. Es geht um eine Konfrontation zwischen zwei vollkommen verschiedenen Kulturen:
In der einen Ecke Herr Thomas Wolkinger, seines Zeichens Chefredakteur der Wochenzeitung “FALTER Stmk”, der in einer Regionale10-Beilage des FALTERs ein Potrait zur Stadt Liezen verfasst hat…mit dem Feuer entfachenden Titel:
Kann man Liezen lieben? – Die Bezirkshauptstadt Liezen hat einen Ruf zu verlieren, den als hässlichste Stadt der Steiermark.
In der anderen Ecke: eine Schar von aufgebrachten Erz-Liezenern, denen der kritische Artikel über ihre geliebte Heimatstadt so gar nicht schmeckt. An diesem Abend galt es die Ehre zu verteidigen; nicht mit Heugabeln, sondern mit Worten!
Was rauskommt, wenn ein Journalist (mit leichtem Hang zur Überspitzung) einer (links-)liberalen Stadtzeitung und gekränkte Stadtpatrioten (teils in Tracht) eines 7000-Seelen-Orts zusammenkommen, um ernsthaft zu diskutieren, war leider schon vorweg ziemlich vorhersehbar. Nämlich so gut wie nichts.
Beide Fronten wichen keinen Deut von ihrer Haltung ab, dabei dauerte die Diskussion zwei Stunden. Wolkinger meinte unzählige Male, er habe es doch gar nicht so böse gemeint. Die Liezener sprachen hingegen von einer Riesenfrechheit. Der Journalist beharrte auf den journalistischen Anspruch, das Publikum wollte teilweise den Unterschied zu Werbung nicht wahrhaben.
Am Ende, nach Wortmeldungen vom Regionale-Intendanten Dietmar Seiler, Liezener Bürgermeister, Liezener Ex-Bürgermeister, Liezener Pfarrer, anderen wichtigen Liezenern und natürlich Thomas Wolkinger, gab’s immer noch viele Grantige, vielleicht mehr als zuvor. Auch der Wolkinger – über lange Strecken souverän – am Ende etwas grantig.
Und worum ging’s in dem Artikel eigentlich? Naja, dass Liezen wirklich nicht den besten Ruf genießt. Besonders die Architektur vorort trägt da seinen Teil dazu bei, der Überhang der Industrie und die Tatsache, dass Liezen eigentlich als Einkaufsstadt konzipiert ist.
Aber das wissen doch eh alle, denen Liezen ein Begriff ist, oder? Der Artikel hat das alles etwas schnörkselig verarbeitet. (Ich persönlich fand die Stadt nach Lesen dieses Textes sogar sympathischer, aber das ist wohl eine Ausnahmeerscheinung) Was als erfrischendes Stadtportrait verkauft werden wollte, ist bei den Erz-Liezenern als massive Beleidigung angekommen. Wolkinger musste dafür büßen, der Ehre halber.
Am Ende ist der Frontman des “FALTER Stmk” dennoch unverletzt aus dem Ganzen herausgekommen. Aber war die ganze Aufregung jetzt gerechtferigt? Kann man Stellung beziehen aber nicht wirklich sagen; zwei vollkommen verschiedene Kulturen sind da einfach zusammengekommen. Clash of Cultures hald. Nur ein wenig ernüchternd, dass der ganze Abend derart vorhersehbar war und so manchem Klischee somit neue Kraft eingeflößt wurde.